Simone war immer noch nicht so überzeugt, dass eine Auswanderung ein so guter Schritt sei. Schließlich hatten wir keine Jobs, keine Wohnung, keine Verwandten oder Freunde in Amerika. Ich hingegen fing an, Informationen zu sammeln.
Bücher über das Auswandern, sofern es damals diesbezüglich wirklich gute Bücher gab, wurden gekauft und mehrfach gelesen. Ein Dollarkonto bei der American Express Bank in Frankfurt wurde eingerichtet und die ersten Überweisungen flossen. Dazu kaufte ich Dollar in Form von Traveller Cheques oder Bargeld. Diese wurden dann bei meinem damaligen Arbeitgeber, der Stadtsparkasse Düsseldorf, im Schließfach sicher aufbewahrt. Der Sommer kam und ging und Simone und ich sprachen immer mehr über das Auswandern.
Ich hatte mittlerweile sehr viele Informationen über das „echte“ Leben in Amerika zusammengetragen, sodass die wir zumindest in dieser Hinsicht wussten, was uns erwarten würde. Ende September wurde die endgültige Entscheidung getroffen: Wir gehen nach Amerika!
Termin sollte der April des folgenden Jahres (1998) sein. Im Oktober 1997 kündigte ich mein Arbeitsverhältnis mit der Stadtsparkasse Düsseldorf zum 31.03.1998 – dies sollte verhindern, dass das 13. und 14. Monatsgehalt im November ausgezahlt wurde, denn die beiden Gehälter hätte ich ja Brutto für Netto zurückzahlen müssen – die ganzen Sozialbeiträge hätte ich aber nicht zurückbekommen und insofern selber „auffüllen“ müssen, um an die Sparkasse zurückzuzahlen. Die Arbeitssituation bei der Sparkasse war sowieso sehr schlecht geworden, da der neue Vorstandsvorsitzende mächtig „aufräumte“. Vergünstigungen wurden gestrichen und da die Bezahlung eh nie üppig war, fiel mir die Kündigung sehr leicht! Dennoch war ich am Morgen der Kündigung arg nervös.
Zu dieser Zeit hatte ich auch per Zufall im Internet eine Webseite eines Amerikaners mit deutscher Ehefrau gefunden, der in Denver lebte. Tim und Heike lebten, aus Memphis kommend, seit 1996 in Denver. Per E-Mail tauschten wir Informationen aus und freundeten uns an. Ich „nervte“ Tim mit vielen, vielen Fragen über den amerikanischen Alltag und berufsbezogene Dinge. Diese Informationen waren sehr hilfreich und sollten sich als sehr nützlich bewähren!
Im November verkauften wir unser erstes Auto – einen knapp zwei Jahre alten Golf Variant, den wir selber aus Italien importiert hatten (Anmerkung: Wir sind damals selber nach Italien gefahren und haben den Wagen selber durch alle bürokratischen Hürden der deutschen Amtsstuben „gebracht“). Die aus dem Verkauf resultierenden D-Mark wurden in US-Dollar umgewechselt und die „Kriegskasse“ füllte sich langsam, aber sicher. Wir hatten mit den uns vorliegenden Informationen über Lebenshaltungskosten eine MS Office/Excel-Tabelle erarbeitet, in der wir anhand unseres Kapitals und eben dieser Lebenshaltungskosten genau vorhersagen konnten, wie lange unser Geld reichen würde. In die Kalkulation brachten wir viele Faktoren ein, um so genau wie möglich abschätzen zu können, wie lange unsere Gelder reichen würden. Um auf der sicheren Seite zu sein, rechneten wir immer zu unseren Ungunsten (höhere Miete, teureres Auto, etc.).
Unsere Verwandten wussten natürlich jetzt genau Bescheid über das, was wir vorhatten – erfreut waren sie aber nicht, dass wir wirklich auswandern wollten. Die Arbeitskollegen von uns fanden natürlich alles ganz toll und fieberten ein wenig mit.
Im Großen und Ganzen glauben wir aber, sagen zu können, dass eigentlich nur wenige um uns herum glaubten, dass wir es schaffen würden. Bei der Sparkasse tat sich natürlich nicht mehr viel für mich, wobei ich versuchte, mit Anstand bis zum Ende durchzuhalten. Die Motivation wurde durch die damalige Abteilungsleiterin nicht gerade gefördert, da sie mir die Aufgabe übertrug, alte Akten zu sortieren. Hier muss ich dann ehrlich gestehen, dass ich diese Aufgabe nicht allzu begeistert anging – so wurden also die letzten Jahre harten Einsatzes ‚„belohnt“!
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