Vorwort – Entnommen aus dem Buch “Pütz, Colorado”
Fast auf den Tag genau sind Simone und ich jetzt sieben Jahre hier in Amerika (1998 – 2005). Der Alltag hat uns eingeholt. Auch hier in den USA wird nur mit Wasser gekocht, und einiges geht uns gehörig auf die Nerven. Der Straßenverkehr ist grausam und man meint, die Amerikaner können überhaupt nicht Auto fahren. Dazu die Verschwendung an Benzin und die überall währende Umweltverschmutzung durch alte Autos. Recycelt wird auch nirgendwo, und $ 10 pro Monat für die Müllabfuhr reichen einfach nicht als Anreiz zur Müllreduzierung. Einkaufen nachts um 11.00 Uhr – wer braucht so etwas?
Hier ist alles so furchtbar teuer und man hat überhaupt keine Freizeit, das Leben zu genießen. Was nützen einem da 300 Sonnentage pro Jahr, wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt und arbeitet? Möbel – amerikanische Möbel – sind einfach Schrott. Es geht wirklich nichts über Möbel von Ikea oder von Roller (zumindest am Niederrhein). Bürokratie ist auch überall gegenwärtig und lästig. Von Effizienz haben die Amerikaner wohl noch nie etwas gehört. Hier ist alles irgendwie so unorganisiert. Die Amerikaner selber sind auch ein ganz merkwürdiges Volk – unhöflich, fett, einfach unausstehlich. Sie glotzen den ganzen Tag TV und kennen sich überhaupt nicht in der Weltgeschichte aus. Nachrichten aus Deutschland sind hier z. B. Mangelware, und Deutschland ist nun wirklich keine Bananenrepublik. Die Steuern wurden auch nicht weniger und die Regierung tat herzlich wenig, um Besserung herbeizuführen. Der Präsident, der nicht wirklich vom Volk gewählt worden war, ist einfach kein Vergleich zur soliden SPD in Deutschland, und es fehlt ganz klar eine sozial-sozialistische Komponente, um sich hier wohl zufühlen. Auch fehlte uns einfach der organisierte und kontrollierte Tagesablauf wie er in Deutschland doch möglich war. Der Staat gibt dort den Rahmen vor und überlässt dem Bürger ausreichend Spielraum. Hier hingegen herrscht in vielen Bereichen vollkommenes Chaos. Wir empfanden mehr und mehr Frustration und waren wirklich nicht mehr glücklich. Es kam der Gedanke auf, vielleicht doch wieder nach Deutschland zurückzugehen. So schlimm, wie wir zuvor angenommen hatten, war es dort schließlich wirklich nicht. Manchmal muss man einfach so etwas von außen sehen, um seinen Wert zu erkennen.
Wir streckten die Fühler aus und bekamen positive Zeichen. So sollte es also sein. Wir bereiteten alles vor. Das Haus wurde an einen Makler übergeben und eine Spedition würde einen Container abliefern und später abholen, sodass wir all unsere Habseligkeiten einpacken konnten. Wir buchten zwei Flüge und am 1. August 2004 sollte es zurück in die Heimat gehen.
Wir hatten uns viele Dinge wohl zu einfach vorgestellt und uns selber etwas vorgemacht. Na ja, es ist zum Glück nie zu spät, um solche Fehler zu erkennen. Wir gehen zurück nach Deutschland!
———
„Aaaaaaaaaaaaaah!“ Schweißgebadet schreckte ich hoch. Ein furchtbarer Albtraum. Zurück nach Deutschland. In Amerika ist alles Mist – in Deutschland lebt es sich besser! Was für ein Albtraum. Mensch, so etwas Schreckliches hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr geträumt. Wie gesagt, ich saß schweißgebadet aufrecht im Bett. Zum Glück war es wirklich nur ein Traum.
Nix da. „Home is where your heart is!“ Wir sind doch keine Hobby-Auswanderer und Amerika ist nun einmal unser Zuhause. Wo sonst kann man so unkompliziert und frei leben wie hier?
Herzlich willkommen zur Fortsetzung unseres Buches. “Good-Bye Deutschland – Mit der Green Card nach Amerika” war ein Experiment. Eigentlich war es ja für uns selber und für unsere Verwandten gedacht. Eine Lektüre, in der wir einfach festhalten wollten, was uns bisher so widerfahren war, und damit man einfach mal was für später hat. Es passieren so viele Dinge und die Zeit vergeht so schnell, dass man viele Sachen einfach vergisst. So ein Buch ist einfach ein guter Weg, um einen Rückblick zu erlauben.
Das Buch war nicht nur ein Experiment, sondern auch ein kleines finanzielles Risiko, denn die hohen Anlaufkosten und eine Veröffentlichung ohne begleitenden Verlag – da war der Ausgang des Ganzen einfach ungewiss. Wir möchten hier erst einmal allen Lesern und Käufern des Buches danken! Wir sind sicher keine professionellen Autoren, und das Buch hatte sicherlich auch hier und da Kritikpunkte und dennoch hat es sich irgendwie zum Geheimtipp entwickelt. Nach einem Dreivierteljahr hatten wir tatsächlich alle Kosten der Veröffentlichung erwirtschaftet.
Jedenfalls kamen nach einiger Zeit Anfragen, wann denn der zweite Teil erscheinen würde. Ein zweiter Teil? Wow. Wir waren positiv erstaunt über das Interesse. Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschieden wir uns, es zumindest zu versuchen. Nun ja, hier ist sie nun – die Fortsetzung unserer Geschichte bzw. die komplette Geschichte vom Anfang bis zum heutigen Tag.
Viel Spaß beim Lesen.
Christoph & Simone Pütz
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