Winter/Frühjahr 1999
Als „pflichtbewusste“ ehemalige Bewohner des deutschen Staates erstellten wir unsere letzte deutsche Steuererklärung für das Jahr 1998. Hatten wir uns doch vor unserer Auswanderung Informationen bezüglich dieses Vorganges vom Krefelder Finanzamt UND dem Bundesministerium der Finanzen eingeholt. Entsprechend erstellten wir unsere Steuererklärung und hofften auf eine nette Steuerrückerstattung. Die Überraschung kam, als plötzlich vom deutschen Fiskus unsere amerikanischen Einkünfte mit in die Steuerberechnung einbezogen werden sollten, obwohl diese in den USA zu versteuern waren. Auf unsere Beschwerde hin wurde uns mitgeteilt, dass vorher erteilte Auskünfte nicht verbindlich seien (man darf den Bürger also ungestraft anlügen), und dass unsere US-Einkünfte auf das deutsche Einkommen (Januar bis März 1998) aufgeschlagen würden, um einen besonderen Steuersatz für uns zu errechnen. Wir hatten unsere Auswanderung auf den vorher erteilten Informationen mit aufgebaut (hier: Ausreisetermin, etc.).
Wären wir per 31.12.1997 ausgewandert, wäre es überhaupt kein Problem gewesen. Tja, jetzt war das Kind in den Brunnen gefallen und wir konnten nichts mehr rückgängig machen. Dieses „kleine“ Versehen (zu Gunsten der deutschen Steuerbehörde) hat uns über 2500 DM gekostet – Geld, das wir eigentlich anders eingeplant hatten. Nun ja, wenn die mit gezinkten Karten spielen, dann können wird das auch! Also setzten wir den Behördenapparat in Bewegung und involvierten, wen wir nur konnten, inklusive dem Leiter und stellvertretenden Leiter des Finanzamtes Krefeld, jemandem vom Bundesfinanzministerium und natürlich die Sachbearbeitung im Finanzamt Krefeld. Mit legalen Schritten beschäftigten wir die Beamten mit unserem Fall! So konnten wir sicher sein, dass die von uns „gestohlenen“ Märker auch nur für die Bearbeitung unseres Falles draufgingen. Rechnet man nämlich einmal die gesamten Personalkosten hoch, hat es den deutschen Staat mehr Geld gekostet, sich mit uns anzulegen, als er durch unsere „zusätzlich zahlbaren“ Steuergelder eingenommen hat! Nennt man das nicht „Verursacherprinzip“ oder so?! Wenigstens hatten wir so eine kleine Genugtuung, die uns über den Verlust des erhofften Geldes ein wenig hinweg half.
Related posts: