3. April 1998
Um 9 Uhr morgens erschienen wir wieder in den Lakeshore Apartments. Unterschrieben den Mietvertrag über sieben Monate und zahlten die Miete für drei Monate im Voraus. Das war ja deren Bedingung gewesen, da wir keine Credit History vorweisen konnten. Kein Problem! Sachen wie das Vorauszahlen der Miete waren in unserer Planung enthalten und wir legten die Traveller Cheques auf den Tisch und unterschrieben. Am frühen Morgen hatten wir noch US West, die lokale Telefongesellschaft angerufen und den Telefonanschluss beantragt. Zwei Wochen Wartezeit sollte das dauern! Das war ein herber Rückschlag für uns. Jetzt wussten wir, warum US West in Insiderkreisen auch US Worst (Anmerkung: das kann man in etwa mit „US Schlecht“ übersetzen) genannt wurde. Langsamer Service – wenn überhaupt Service – erinnerte uns irgendwie sehr stark an die Deutsche Telekom. So wurde uns klar, dass es schwierig sein würde, nach Jobs zu suchen, da amerikanische Arbeitgeber in der Regel die Kandidaten anrufen und mit einem sprechen wollen, wenn sie Interesse haben. Ohne Telefon keine Anrufe!
Wir hatten den Schlüssel in der Hand – auf in unser neues Heim. Es war sauber und okay. Wir schleppten unsere Koffer rein und auf der letzten Treppenstufe (die Wohnung lag im Erdgeschoss, man hatte aber sechs Stufen vorher zu bewältigen) riss der Griff von einem Koffer ab, der Koffer purzelte die Treppe runter und das Ding platzte an einer Seite auf. Perfect timing! Gut, dass wir den Koffer nur bis 31 Kilo vollgepackt hatten und nicht auf 32 Kilogramm! 32 kg sind nämlich das Limit der Fluggesellschaften für ein einzelnes Gepäckstück auf Transatlantikflügen oder man muss eine Menge Aufgeld bezahlen (so zumindest die Theorie). Unsere mitgebrachten Luftmatratzen und die Schlafsäcke wurden aufgepumpt bzw. ausgerollt, und das Bett war schon mal fertig für den Abend. Jetzt ging es auf zum Shopping. Die Wohnung hatte Herd, Geschirrspüler und Kühlschrank. Wir holten also Lebensmittel und Getränke. Dann zogen wir zum Preisvergleich und zur Orientierung für den geplanten „Kaufrausch“ durch die Möbelhäuser. Ein preiswerter Fernseher wurde gekauft und wir beantragten Kabel-TV. Töpfe, zwei Holzbrettchen, Gläser und noch ein paar andere Sachen für die Küche kamen dann auch noch dazu. Die erste Nacht im eigenen Apartment in Colorado! Ungewissheit, wie alles weitergehen würde, aber auch der feste Wille, es anzugehen und es zu packen!
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