19. April 1998
Wir nahmen uns einen Tag „frei“ und fuhren in die Rocky Mountains bis nach Vail. Die traumhafte Szenerie war faszinierend und uns wurde noch einmal bewusst, dass wir uns einen tollen Platz zum Leben ausgesucht hatten.
20. April 1998
Wir hatten es geschafft – noch keine Woche einen „lebenswichtigen“ Telefonanschluss und doch hatten wir beide nun einen Job. Gar nicht mal schlecht für den Anfang. Erst später wurde uns eigentlich bewusst, in welch einem Tempo wir unsere Auswanderung in ein erfolgreiches „Unterfangen“ umgewandelt hatten! An diesem Tage fing also unser US-Arbeitsleben an. Der „Alltag“ hatte uns wieder. Morgens pünktlich aufstehen und zur Arbeit gehen (fahren natürlich).
Uns beiden fiel der Einstieg leicht und unsere Arbeitgeber waren sehr freundlich. Nette Kollegen und auch gute Arbeitsbedingungen waren vorhanden. Ich wurde für zwei Wochen ins Training geschickt, um für die Schifffahrtsindustrie gewappnet zu sein. Simone „verkaufte“ Bücher und erledigte allerlei Büroarbeiten – inklusive Buchhaltung und Lagerhaltung.
Über die nächsten Wochen und Monate hinweg fingen wir an, unsere Umgebung zu erkunden. Die Meilen häuften sich auf dem Mini-Van, aber das war uns egal. Wir wollten etwas sehen. Am Memorial Day Weekend Ende Mai verabredeten wir uns mit den McDoniels zum BBQ im Chatfield Park, das ist ein lokaler State Park südlich von Denver. Wir brachten unseren Grill mit und verbrachten einen schönen Tag direkt am See. Bratwurst, Coke, Hotdogs – ein typisch amerikanischer Grillnachmittag!
Durch ihren Arbeitsplatz lernte Simone zwei Studentinnen aus Spanien und Frankreich kennen, die in der Continental Book Company ein USA-Praktikum absolvierten. Man freundete sich an und verbrachte so manchen Abend zusammen. Die Arbeit war zwar nicht besonders fordernd, aber Simones Englischkenntnisse wurden immer besser. Ihr Arbeitgeber belohnte ihre solide Arbeitsleistung innerhalb kürzester Zeit mit zwei Gehaltserhöhungen. Das half uns natürlich sehr, da wir so unsere Bargeldreserven nicht mehr anbrechen mussten – eher im Gegenteil – wir konnten sogar verhältnismäßig gut Geld ansparen.
Ich war inzwischen als Customer Service Representative den ganzen Tag am Telefon und half Leuten, Container zu verschiffen. Der Arbeitgeber, American Presidents Line (APL), war mittlerweile soweit, dass er mich in jedem Fall fest einstellen wollte, wenn die 90 Tage (siehe oben) abgelaufen waren. Ich hatte eine sehr gute Arbeitsleistung abgeliefert und befand mich bei allen Vergleichszahlen gegenüber meinen amerikanischen Arbeitskollegen direkt im oberen Viertel. Man erhielt täglich seine Statistiken über die Anzahl der Telefonate, ihre Dauer etc. Ich hatte auch sehr nette Arbeitskollegen und freundete mich mit einigen direkt gut an. Man traf sich dann mit den Familien später zum Dinner oder auch um mal Karten zu spielen – eine „Tradition“, die bis heute eigentlich noch Bestand hat.
No related posts.