17. April 1998
Simone hatte ihr erstes amerikanisches Interview (Vorstellungsgespräch). Ich saß wartend und ungeduldig im Auto und wartete und wartete. Nach 90 Minuten kam Simone wieder heraus. Ihr erster Satz war: „Wir müssen jetzt wohl ein zweites Auto kaufen“. Sie hatte einen Job! Wir hatten ein erstes Einkommen sicher! Die Firma wusste über ihr nicht allzu gutes Englisch Bescheid und hatte ihr trotzdem den Job gegeben. Wunderbar – das gab Simone auch viel Rückhalt und Kraft, denn ihr Englisch war zwar okay für den Urlaub, aber sie war sich nicht so sicher, ob es für das Arbeitsleben überall reichen würde. Es war in diesem Sinne der perfekte Job. Die Firma wollte jemanden haben, der Deutsch mit den deutschen Kunden sprach, denn die Continental Book Company verkaufte nämlich fremdsprachige Bücher und darunter auch sehr viele deutsche Bücher.
Es stellte sich hinterher heraus, dass relativ viele Deutsche aus ganz Amerika dort Bücher kauften. Nächsten Montag (!) sollte Simone schon anfangen. Bezahlung? Nicht sehr hoch, $ 7,50 pro Stunde, aber wir sahen es unter dem Gesichtspunkt, dass jemand Simone bezahlte, damit sie Englisch lernen konnte. Wieder zu Hause klingelt das Telefon – die Arbeitsvermittlungsfirma, bei der ich den Computertest gemacht hatte, meldete sich. Eine Firma im Denver Tech Center wäre an einem Interview mit Christoph interessiert, und zwar per Telefon! Per Telefon? Ja, er bräuchte nicht rausfahren. Ist in Amerika durchaus so üblich. Klar, sollen sie anrufen. Das Interview dauerte etwa zehn Minuten. Einfache Fragen wurden gestellt, die hauptsächlich auf Customer Service (Kundendienst) abzielten. Die Firma suchte jemanden für deren Call Center in der Schifffahrtsindustrie. Man verblieb so, dass die Firma sich bei der Arbeitsvermittlungsfirma melden wollte. Ich rief dann nachmittags ungeduldig die Arbeitsvermittlungsfirma an und fragte nach. Spätnachmittags kam ein Rückruf –- auch ich hatte jetzt einen Job und sollte ebenfalls Montagmorgen anfangen. Wow, vier Tage auf Jobsuche und schon hatten wir beide Arbeit. Und dann sollten wir nicht in Wochen oder Monaten anfangen, sondern direkt am nächsten Montag!
Für mich wäre für 90 Tage die Arbeitsvermittlungsfirma der neue Arbeitgeber, dann würde die andere Firma mich „bei guter Leistung“ eventuell übernehmen. Jetzt hatten wir zwei Jobs, aber nur ein Auto und es war Freitagnachmittag. In Deutschland hätten wir jetzt arge Probleme gehabt, aber hier …? Die Autosuche startete also im gleichen Moment. Da wir uns abends mit dem mittlerweile aus Deutschland zurückgekehrten Tim McDoniel treffen wollten, hatten wir nicht viel Zeit. Wir machten zwei Probefahrten mit Autos, die so halbwegs unseren Geschmack und Geldbeutel trafen. Der zweite Wagen – ein Ford Aspire (ähnelt dem Fiesta ein wenig) – gefiel uns soweit, dass wir ernsthaft in Verhandlungen mit dem Händler treten wollten. Der Händler wollte sofort verhandeln, wir aber vertrösteten ihn auf den nächsten Morgen. Er glaubte uns zwar nicht, aber was will der Händler denn anderes machen. Er „drohte“ uns zwar, dass der Wagen wahrscheinlich am nächsten Morgen schon verkauft wäre, aber davon ließen wir uns nicht beeindrucken. Wir fuhren los und trafen uns dann mit Tim und hatten einen angenehmen Abend. Er hatte deutsches Bier mitgebracht und freute sich sehr, dass jemand ein Gläschen mittrank.
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